Budapest - Burgbezirk

  • Orbán ist gescheitert, Ungarn hat sich für die Demokratie entschieden. Auch im Denkmalschutz beginnt eine neue Ära.

    Aber ob eine Annäherung an die EU, von der nun die Rede ist, ein Land wirklich freier macht? Und was konkret bedeutet dies für den Denkmalschutz?


    Ja, zumindest wenn man von der ungarischen Geschichte ausgeht.

    In Kürze wird das neue Amt für Denkmalpflege ins Leben gerufen. Die Regierung wird künftig verstärkt Mittel für die Sanierung bestehender Gebäude bereitstellen. Zudem sollen Bebauungspläne zur Erneuerung historischer Stadtzentren erstellt werden. Das spannendste Projektelement ist die Erweiterung des sogenannten ‚Kastélyprogram‘ (ein Konzept zur Renovierung von im ganzen Land befindlichen Herrenhäusern, Villen und Schlössern). In den letzten zehn Jahren betraf dies zumeist Gebäude, die sich in einem verhältnismäßig guten Zustand befanden. Die nun geplante Erweiterung würde jedoch bedeuten, dass auch völlig verfallene und leerstehende Objekte in das Programm aufgenommen werden. Für die Sanierung von Altbauten in Privatbesitz soll zudem ein attraktives Fördersystem für die Eigentümer ausgearbeitet werden.

    Alles in allem ist eines sicher: Ich stimme mit Johan Maurits darin überein, dass wir die genauen Konzepte erst dann mit Sicherheit kennen werden, wenn die neue Regierung gebildet und die neue Staatsverwaltung aufgebaut wurde

  • Orbán ist gescheitert, Ungarn hat sich für die Demokratie entschieden. Auch im Denkmalschutz beginnt eine neue Ära.

    Nach meinen Beobachtungen ist Patbal bisher nicht durch politische Äußerungen aufgefallen. Wahrscheinlich aus gutem Grund. Ich vermute, das er mit seinem bisherigen detailliertem Wissen nicht nur ein interessierter Architekturfan ist sondern ein Insider. Deshalb darf man nach diesem Wahlergebnis auch einmal froh sein.

  • Entscheidend ist offenbar, über welche politischen Ergebnisse man jeweils froh ist. Was einerseits manche Aufpasser erzürnt und den Ruf nach Moderation auslöst, bekommt andererseits noch Likes und Herzchen. Faszinierend, diese Doppelmoral.

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Quote

    Auch im Denkmalschutz beginnt eine neue Ära.

    Echt wahr? Und auch so vorhersehbar? Hat da eine große Denkmalschutzpartei obsiegt? Ist in Ungarn da bisher so viel falschgelaufen? So eine Entwicklung würd ich mir für Wien wirklich herzlich wünschen, ich fürchte, man kann sagen: Keine Metropole der Welt hätte dies nötiger als wir... Sagts mir bitte nur, wen ich dafür zu wählen habe, ich würd alles für eine neue Ära in Denkmalschutz und Stadtbildpflege tun.

  • Quote

    Auch im Denkmalschutz beginnt eine neue Ära.

    Echt wahr? Und auch so vorhersehbar? Hat da eine große Denkmalschutzpartei obsiegt? Ist in Ungarn da bisher so viel falschgelaufen? So eine Entwicklung würd ich mir für Wien wirklich herzlich wünschen, ich fürchte, man kann sagen: Keine Metropole der Welt hätte dies nötiger als wir... Sagts mir bitte nur, wen ich dafür zu wählen habe, ich würd alles für eine neue Ära in Denkmalschutz und Stadtbildpflege tun.

    Fachlich gesehen birgt diese neue Ära neue Möglichkeiten. In Ungarn gab es zwischen 2010 und 2026 im Hinblick auf historische Gebäude und Bauwerke sowohl positive als auch negative Beispiele. Das Nationale Hauszmann-Programm (NHP) war definitiv eine positive Initiative. Dennoch müssen auch die negativen Aspekte erwähnt werden, die vielleicht weniger bekannt sind.

    Eines der am meisten misslungenen Projekte war wohl die Renovierung und Erweiterung des Gebäudes der Ungarischen Nationalbank: Es erhielt ein unpassendes, glasverkleidetes zusätzliches Stockwerk, das völlig unverblendet blieb. Dies war natürlich in jeglicher Hinsicht rechtswidrig. Bleiben wir jedoch bei den Negativbeispielen in Budapest: Ein weiterer bedeutender Fehler der scheidenden Regierung war die Vernachlässigung des Kunstgewerbemuseums. Obwohl die Renovierung bereits vor fast zehn Jahren begonnen wurde, stagniert das Projekt. Zudem ließen sich die Entkernungen von Gebäuden sowie die sinnlosen Dachaufstockungen anführen. Darüber hinaus floss zu wenig Geld in Fassadenrenovierungen und andere Maßnahmen zur Stadtbildpflege.

    Was die Provinz betrifft: Auch hier gab es positive Initiativen, wie zum Beispiel den authentischen Teilwiederaufbau oder zumindest die Konservierung des königlichen Palastes und der Zitadelle von Visegrád (wobei dieses Projekt natürlich auch auf archäologische Forschung fokussiert), oder ich könnte auch das Schloss-Programm erwähnen. Ein für viele augenfälliges Ergebnis ist die Sanierung der Soproner Altstadt. Doch wie alles hat leider auch dies eine Kehrseite: Ein Großteil der bestehenden Werte wurde dem Verfall preisgegeben, und viele Gebäude wurden abgerissen. Die Renovierungen waren zwar oft gut geplant, doch da die Bauunternehmen kaum im Wettbewerb zueinander standen, war ihre Fachkompetenz oft nicht mehr herausragend, was zu einer nachlässigen Ausführung einzelner Projekte führte.

    Mit der Niederlage Orbáns (man mag ihn lieben oder nicht) werden die bisher erreichten Ergebnisse nicht verloren gehen. Die Bauindustrie gibt in Ungarn sehr vielen Menschen Arbeit (vor allem den ärmeren Schichten). Das Ziel der neuen Regierung ist es, die Wirtschaft anzukurbeln und Investitionen wieder anzustoßen. Im Gegensatz zum alten System wird jedoch nicht die Regierung für alles aufkommen. Péter Magyar wird ein konservativer Ministerpräsident sein, der die ungarische Geschichte schätzt. Er hat mehrfach erklärt, ich zitiere: »Man darf nicht auf die Gebäude zornig sein, sondern auf die Menschen, die sich darin befinden.« Damit spielte er auf das Sándor-palota, das Karmeliterkloster, das ehemalige Hauptquartier des Roten Kreuzes und das Gebäude des ehemaligen Finanzministeriums an. Wahrscheinlich wird er nicht radikal mit dem NHP brechen, aber auch nicht mit dem SIP (hierüber werden wir jedoch um den Mai herum viel mehr wissen, wenn die neue Regierung gebildet wird). Das Ministerpräsidentenamt scheint vorerst im Karmeliterkloster zu bleiben, doch vor dem Einzug werden Teile davon für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

    Zusammenfassend lässt sich sagen: Das alte System ist gestürzt, aber das bedeutet für unseren Bereich nicht zwangsläufig etwas Schlechtes. Mit Sicherheit werden alle begonnenen Investitionen abgeschlossen, und nichts wird abgerissen. Es wird jedoch eine größere Garantie dafür geben, dass Denkmäler nicht mehr nach Belieben umgestaltet werden können. Zudem wird mehr Geld und Aufmerksamkeit auf die bisher vernachlässigten Bereiche fließen (z. B. einheitliche Fensterrahmen, Portale, werbefreie Fassaden und die Sanierung baufälliger Fronten). Auch größere Vorhaben sind denkbar, wie die Renovierung vernachlässigter Landsitze oder Schlösser.


    (Da die Tisza-Partei bei den Wahlen eine verfassungsgebende Mehrheit errungen hat (sie erhielt ein größeres Mandat als die Fidesz zu irgendeinem Zeitpunkt zuvor), steht sie vor einer großen Chance. Natürlich wird nicht alles auf einen Schlag perfekt sein, aber diese Zyklus wird zumindest ausreichen, um einen Wandel einzuleiten.)



    Präzisierung: Das Ministerpräsidium wird definitiv aus dem Karmeliterkloster ausziehen und in ein Gebäude in der Nähe des Kossuth-Platzes umziehen.

  • Die Trophäenskulpturen des Oberkommandos der Honvéd sind eingetroffen:

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    Beidseitig der Gebäudekuppel platzierte der Architekt Mór Kalina die allegorischen Skulpturen von Krieg und Frieden. An der Ostseite fand der Krieg seinen Platz, an der Westseite der Frieden. Das Bild zeigt die Figur des Friedens, die langsam an ihren endgültigen Bestimmungsort gehoben wird. Ihre ungarische, verschnürte Tracht (Zierat) symbolisiert den nationalen Zusammenhalt, während ihr Kopfschmuck mit Tulpenmotiven für die Fruchtbarkeit steht. Was noch nicht zu sehen ist, jedoch Teil der Komposition war: Die Frauengestalt hielt in ihrer rechten Hand einen Lorbeerzweig, der den Ruhm versinnbildlichte. Hinter der menschlichen Figur erschien ein Pflug, welcher die Erde, den Überfluss und die Wiedergeburt verkörperte:

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    Auch die Rekonstruktion des Palastes schreitet gut voran; die Anbringung der Steinverkleidungen hat begonnen:

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    Der betroffene Bereich auf einem zeitgenössischen Foto:

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  • Die Westfassade des Palais Erzherzog Joseph ist fertiggestellt:

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    Der Nordabschnitt, der zugleich die Hauptfassade des Gebäudes bildet, steht kurz vor der Fertigstellung. Ebenfalls bald abgeschlossen ist der Bau der Umfassungsmauer, die den Garten des Gebäudes begrenzt

    (csikisanyi)

  • Nach den jüngsten Aussagen des neuen Verkehrs- und Investitionsministers, Vitézy, halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass die Rekonstruktionen in ihrer jetzigen Form fortgesetzt werden. Er bezeichnete unter anderem die rekonstruierten Gebäude (Rotes Kreuz, Finanzministerium) als Pseudo-Baudenkmäler, die das Zurücksehnen in die “faschistische Horthy-Zeit” verkörpern. Schade war’s.

  • Es empfiehlt sich, die Spekulationen über die Zukunft des Budavári Palotanegyed (Burgviertel) mit Geduld zu betrachten. Obwohl Dávid Vitézy ein hervorragender Fachmann ist, gehört der Denkmalschutz nicht zu seinen primären Fachgebieten; seine früheren unpräzisen Äußerungen fielen eher in einem politischen Kontext, als es um die Darstellung des einstigen Luxus ging. Derzeit steht eine offizielle Entscheidung noch aus, und obwohl ihm die Koordination des Projekts übertragen wurde, hat der Ministerpräsident bislang lediglich die künftige öffentliche Nutzung des Karmeliterklosters und des ehemaligen Hauptsitzes des Rotkreuz-Vereins in Aussicht gestellt.

    Es ist davon auszugehen, dass die bereits begonnenen Investitionen – insbesondere die Rekonstruktion des Palastes – abgeschlossen werden, da deren gesellschaftliche Akzeptanz höher ist als die von völlig neuen Gebäuden. Auch wenn es zu fachlichen Überprüfungen, Zeitplanänderungen oder eventuellen Umplanungen kommen kann, ist die Fortführung des Projekts architektonisch gerechtfertigt. Parallel dazu werden die Entwicklungen am Kossuth-Platz definitiv realisiert: Die Zentrale der Regierungspartei wird in das Szabad-György-Bürohaus verlegt, während als Residenz des Ministerpräsidenten – wenn auch vorerst nur als Vermutung – das Wellisch-Palais im Gespräch ist.

    Zusammenfassend lässt sich sagen: Das Hauptproblem des Ministerpräsidenten und des Ministers bei diesen Projekten war – wie sie auch bei der Besichtigung der Gebäude erwähnten –, dass diese Investitionen während der Wirtschaftskrise nicht zeitlich verschoben wurden. Es wurden zu viele öffentliche Gelder für diese Projekte aufgewendet, wobei das Rotkreuz-Hauptquartier und das Karmeliterkloster lediglich dem Komfort der Fidesz-Führungsriege dienten. So wurde beispielsweise ein privates Raucherzimmer mit einem Tisch aus echtem Marmor entdeckt, das nicht im Zuge einer historischen Innenrekonstruktion entstanden war.

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    (Szabad-György-Bürohaus)

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    (Wellisch-Palais)


    Die Staatskanzlei zieht in das Fürst-Haus um, das weniger als 100 Meter vom Kossuth-Platz entfernt liegt

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    (Alkotmány utca 5.)

  • Spannend alles, danke für die Einblicke Patbal!

    Wie steht es eigentlich um die Reko des Verkehrsmuseums mit seiner markanten Kuppel?

    Dieses Projekt wurde von der vorherigen Führung eingestellt; ich sehe keinerlei Chance, dass es jemals realisiert wird. Interessanterweise sollte diese Rekonstruktion im Zusammenhang mit dem Neubau des Verkehrsmuseums realisiert werden. Zu diesem Zeitpunkt war Dávid Vitézy der Direktor der Institution. Seither wurde von diesem Bauplan Abstand genommen, da das Gebäude für die Unterbringung der Exponate ungeeignet gewesen wäre. In seiner Funktion als Minister wird er sicherlich den Bau eines neuen Museumsgebäudes vorantreiben, welches jedoch in einer Industriebrache neben der Eiffel-Halle entstehen soll. An der Stelle der alten Millenniums-Verkehrshalle befindet sich derzeit eine freie Fläche, auf der voraussichtlich eine Parkanlage angelegt wird.