Posts by Gingko

    Um auf Frankfurts Stadtbild zurück zu kommen. Die Bilder vom Domturm, der übrigens ganz oben auf der Liste eines Frankfurtbesuchers stehen sollte, verdeutlichen den Nachholbedarf in vielen Teilen der Stadt. Wie rma schon anspricht, sind das Oberlandesgericht, die Konstablerwache oder die Bebauung an der Battonstrasse (man schaue sich einfach mal das vergilbte AOK-Monstrum an) der Gipfel der Ideenlosigkeit. Zwischen dem Dreieck Zoo, Konstabler und Main ist Frankfurt zweifellos eine Beleidigung für die Augen und daher auch wenig frequentiert. Durch den Umzug der EZB ins Ostend kann in dieses "Bermuda-Dreieck" vielleicht neue Bewegung kommen, aber solange es hier hauptsächlich autogerecht zugeht, ist Hopfen und Malz leider verloren.

    Trotzdem weiss man sehr wohl, dass Handlungsruck besteht um die Fehler der vergangenen Jahrzehnte zu beheben. Das Verschwinden der Brutalismusbauten aus der Altstadt (Technisches Rathaus, Historisches Museum) sind eine große Errungenschaft und stellen auch einen Paradigmenwechsel für die Planer dar. Es ist völlig richtig die Prioritäten erstmal in der direkten Altstadt zu setzen, da dort auch die meisten Fußgänger und Versorgungsindustrie zugegen sind. Leider entstehen gleichzeitig immer noch Bauten aus dem schlimmsten Gruselkabinett in anderen Teilen der Stadt (z.B. das neue Kolpinghaus).
    Generell bin ich aber optimistisch, dass sich die Stadt besinnt. Die Erfolgsbilanz der letzten Jahre (Aufwertung Mainufer, Umwandlung unzähliger Bürobauten zu Stadtvillen im Westend, Aufwertung Bahnhofsviertel, Europaviertel-Aufbau, Neuer Unicampus, Bockenheim Neuplanung, Zeil Revitalisierung, Riederwaldtunnel) kann sich jedenfalls schon mal sehen lassen. Es ist kein Wunder, dass schon seit einem knappen Jahrzehnt die Leute massenhaft aus dem Taunus und anderen Vororten in die Stadt zurück ziehen.

    ^^ Das sind aber alles recht kleine Ortschaften im Vergleich. Grundsätzlich muss man auch nicht ständig andere Städte abwerten um andere Orte in ein besseres Licht zu stellen. Es kommt immer auf die Vorlieben des Betrachters an. Manche lieben Rosinen, die anderen verabscheuen sie. Zudem können Orte auch zu Tode geliebt werden, was leider im total überlaufenen und mit Billg-Touri-Läden verseuchten Heidelberg zu betrachten ist.

    Eine anschauliche Kollektion, leider fehlt ein Bild des eigentlichen Zentrums des Viertels, dem Holzhausenpark, wo sich die Frankfurter Noblesse zum Käffchen trifft. Auch das Holzhausenviertel südlich des Parks ist nicht zu verachten. Schöne Bauten stehen am Bornwiesenweg, Lersnerstr, Sömmeringstr oder der oberen Fichardstr. Für die Nahversorgung sorgt der Oeder Weg, der sich zu einer Art Boutiquestrasse entwickelt hat und vor gastronomischen Angeboten nur so wimmelt. Noch anzumerken ist, dass das Schlösschen als kulturelle Bürgerstiftung für Jazzkonzerte, Lesungen, Ausstellungen ein echtes Kultur-Juwel geworden ist.
    Leider hat das alles einen Preis: Das Viertel ist preislich leider in der selben Liga wie Alt-Bogenhausen oder der Außenalster anzusiedeln.

    Quote from "Der Münchner"

    [lexicon='Frankfurt am Main'][/lexicon] immer noch die hässlichste und auch irgendwie die "undeutscheste" Großstadt unseres Landes ist.

    Sind undeutsch und hässlich nun etwa Synonyme? Außerdem gefällt mir der Unterton von "Amerikanisierung gleich Kommerzialiserung oder Banalisierung" überhaupt nicht. Die Krönung ist dann das säbelrasselnde Zitat von Portman, dass im krassen Widerspruch zur Realität des Marshall-Plans, Luftbrücke usw steht. Etwas mehr Differenziertheit wäre hier dringend angebracht.

    Frankfurt erhebt keinen Anspruch auf universelle Schönheit, aber wer es beispielsweise in Boston gut aushält (und das sind nicht wenige), dem wird auch diese relativ kleine Stadt, die Moderne und Geschichte auf interessante Weise vermischt, möglicherweise gut gefallen. Das Interessante ist doch, dass EZB, Römer, Gründerzeitnachbarschaften und Ebbelwoikneipe auf kleinstem Gebiet gut harmonieren.

    Übrigens ist die Foto-Sammlung vom Feinsten! Vielen Dank.