Ich bin neulich nach vielen Jahren mal wieder die Linden runterspaziert. Ich war echt entsetzt. Berlin ist generell – aber vor allem unglaublich deutlich vor den Fassaden der edlen Bauten aus Barock und Klassizismus – zu einem Messie mutiert. Da ist wirklich alles komplett zugestellt, als wäre es der Abend vor der Sperrmüllsammlung. Nur, dass da eben nie der Sperrmüll eingesammelt wird.
Sechs verschiedene Arten von Pollern verlaufen kreuz und quer, man muss richtig Slalom laufen. Ein Schilderwald, permanent wie provisorisch; einige davon schief, bis zu drei an einer Stelle, die sich gegenseitig verdecken und von oben bis unten mit Stickern verklebt sind. Absperrungen von der letzten Demo – und Demo ist gefühlt jeden Tag in Berlin – liegen noch überall herum. Vier verschiedene Arten von Mülleimern, die natürlich überlaufen, während die Flaschen fast schon ordentlich drumherum stehen. Fahrräder und E-Scooter stehen, lehnen und liegen überall. Info- und Werbestelen, die wirklich ollsten Trafokästen, natürlich auch komplett beschmiert und beklebt. Überall wehen Fahnen und Banner, sind Plakate in den schrillsten Farben befestigt – war da nicht mal eine Gestaltungsverordnung? Pop up Bücherverkauf und Bars, ein Flohmärkt hier und da. Und dann natürlich noch die klobigen, roten und pinken Bänke rund um das Schloss und im Schlosshof.
Oh, ich habe noch Bushaltestellen, Baustellen und moderne Kunst vergessen und bestimmt noch irgendetwas.
Komplett zugemüllt, die Stadt. Einen Menschen würde man zum Psychotherapeuten schicken und das Ambulant Betreute Wohnen einschalten, um da mal komplett auszumisten.