Posts by Maxileen

    Das Obstgut selbst wurde schon vor Jahren nach dem Tod des letzten Besitzers aufgegeben und das ganze Gelände ging in den Besitz der städtischen (!) Baugesellschaft KWL über, um dort das neue Gewerbegebiet zu bauen - noch dazu mitten in der Pampa, meines Erachtens eine ziemliche Fehlplanung. Denn die A 20 liegt zwar nebenan, es gibt bislang aber keinen eigenen Autobahnanschluss, sodass der Verkehr durch das hinter der Autobahn liegende Wohn- und Gewerbegebiet zur dortigen Autobahnabfahrt fahren muss.

    Die Bauten selbst sind jetzt nicht sooo aufregend gewesen. Neben dem Wohnhaus aus den 1890ern, das aber in den 1950ern nach hinten einen Flachdachanbau erhielt und auch im Inneren stark überarbeitet wurde, stehen/standen im Hof zwei große Scheunen, eine davon als Durchfahrtsscheune quer zum Hof, die andere parallel zum Haupthaus errichtet, sowie eine Garage und diverse offene Schuppen sowie ein Erdkeller jüngeren Datums.

    Der Denkmalwert rührte wohl vor allem von der Geschichte her, die Frank bereits zitiert hat, da es sich um das letzte erhaltene Obstgut Lübecks handelte, das seit 1661 hier bestand. Im zitierten Artikel aus dem Jahresbericht 2023 der Denkmalpflege vermisse ich vor allem ein paar Fotos des Gebäudeensembles. Bis auf das wenig aussagekräftige Luftbild ist der Text überhaupt nicht bebildert.

    Fischstraße 23 finde ich ziemlich misslungen. Insbesondere, weil die bodentiefen Fenster einfach viel zu groß sind. Die berühren sich ja beinahe zwischen den einzelnen Geschossen.

    Ein bisschen habe ich das Gefühl, der Gestaltungsbeirat drückt inzwischen bei den Entwürfen auch mal beide Augen zu, damit die letzten Baulücken überhaupt zeitnah geschlossen werden.

    [...]

    Der Klotz rechts ist das neue Stadtmuseum. Das Gebäude links, das Horst-Janssen-Museum fertiggestellt im Jahr 2000, ist auch nicht gerade gelungen.

    Der Vorgängerbau aus den 1960er Jahren war auch schon alles andere als ein Glanzstück archiktonischer Kunst.

    Der Vorgänger war aber um Meilen besser als Neubau. Der ist ein würdiger Kandidat für das hässlichste Museum Deutschlands. Sieht aus wie ein Hochbunker.

    Maxileen : Bist Du an den Ausgrabungen beteiligt und hast eventuell mehr Details (z.B. einen Grundriss)?

    Leider bin ich an den Grabungen nicht beteiligt (ich bin inzwischen eh nur noch selten auf den Grabungen unterwegs), aber soweit ich informiert bin, ist bisher nicht mehr bei den Baumaßnahmen aufgetaucht als auch im Bild bei den LN zu sehen ist.

    Von dem Modell, das neben dem Standort des ehemaligen Äußeren Mühlentors steht, gibt es übrigens von einem eifrigen Lübecker (der noch zahllose weitere mittels Fotogrammetrie erstellte 3D-Modelle mit Lübeck-Bezug auf seinem Sketchfab-Account hochgeladen hat) ein 3D-Modell: https://sketchfab.com/3d-models/lube…700fe6198d79b72

    Die Lübecker Ratsapotheke wurde 1412 vom Rat der Stadt im Haus Breite Straße 55 an der Ecke Dr.-Julius-Leber-Straße eingerichtet. Die städtische Apotheke hatte das Alleinrecht zum Handel mit Gewürzen und Kräutern (sehr zum Missfallen der damals schon bestehenden privat geführten Apotheken). Leider wurde die Apotheke bereits 1846 geschlossen und das Gebäude mit seinem schönen Renaissancegiebel 1855 abgebrochen (im Kern war es jedoch noch mittelalterlich, worauf der Gewölbekeller hindeutete). Zum Glück ist es durch eine Zeichnung des Lübecker Malers und Zeichenlehrers Carl Julius Milde überliefert, die kurz vor dem Abbruch entstand:

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    (gemeinfrei)

    Nach dem Abbruch entstand auf dem Grundstück ein spätklassiszistischer Neubau, der von der Lübecker Privatbank bezogen wurde (später Commerzbank). Dieser wurde beim Luftangriff 1942 zerstört. Allerdings hatten die mittelalterlichen Kellergewölbe, die 1855 nicht mit abgebrochen wurden, sogar die Kriegszerstörung überstanden. Sie verschwanden leider bei der Trümmerräumung nach dem Krieg. Im Hof hinter dem Haus (wohl in dem Bereich, wo auf der Zeichnung der stattliche Baum stand) wurde dabei eine Kloake aufgedeckt, in der Lübecks erster Stadtarchäologe Werner Neugebauer zahlreiche Apothekengefäße aus der frühen Neuzeit ausgrub, die sich zum Glück bis heute in der Sammlung der Archäologie erhalten haben (und die dringend eine vollständige Auswertung benötigten, nachdem Anfang der 1980er einige kurze Vorberichte dazu erschienen).

    Warum ich die Ratsapotheke gerade jetzt wieder zum Thema mache hat einen Grund: ChatGPT. Ich habe vor einigen Tagen beim Aufräumen in unseren Büros (die Lübecker Archäologie zieht gerade um) einen hochauflösenden Abzug der Milde-Zeichnung gefunden (in der Wikipedia findet sich nur eine sehr verpixelte Version davon) und darum habe ich ChatGPT einmal gebeten, die Zeichnung in eine fotorealistische Darstellung umzuwandeln.

    Das ist dabei herausgekommen:

    file_00000000aef061f488178d271f1de6b0.png

    (Quelle: ChatGPT)

    Ein ordentliches Ergebnis, auch wenn ein paar Details nicht ganz korrekt sind (gotische Kreuzstockfenster, die Maueranker mit der Jahreszahl "1582" sind verschwunden, die Portalfiguren sind zu einer Art Vasen geworden), das ich dem Forum nicht vorenthalten wollte.

    Die Fensterläden sind von 1984 und schon historisch? Interessant. Allerdings steht dort auch, das Zeughaus sei ein "UNESCO-Welterbe-Bau", von daher scheint der Autor / die Autorin eh nicht so im Thema drin zu sein.

    Aber wäre es nicht erstmal dringlicher, das Innere des Zeughauses zu sanieren und wieder für Ausstellungen nutzbar zu machen als ein paar Schönheitsreparaturen durchzuführen?

    Wobei, wenn ich die teils absurden Sanierungskosten der Kölner Museen (Museum Ludwig: 1,1 Milliarden Euro) sehe, dann kann das ja auch keine Stadt selbst stemmen - und so bleibt es wahrscheinlich erstmal bei Schönheitsreparaturen an Welterbe-Fensterläden von 1984.

    Das ist aber auf jeden Fall eine enorme Verbesserung. Offenbar scheint man in den letzten Jahren den (Backstein-)Expressionismus wiederzuentdecken oder sich zumindest ein wenig daran zu orientieren.

    Bei den ganzen Abbrüchen in den letzten Jahren könnte man die Stadt langsam in Hesslich Oldendorf umbenennen. In diesem Fall begreife ich vor allem nicht, dass es zum einen die Stadt selbst ist, die den Abbruch durchführen lässt, und dass es zum anderen noch keinerlei Pläne gibt, was mit den Grundstücken anschließend passieren soll. Und wie das "der Strukturförderung des ländlichen Raums" dienen soll, verstehe ich auch nicht (außer, dass Abbruchunternehmen stammt aus der Region).

    Dürften wir das Bild für unseren Instagram Auftritt nutzen? Ich schreibe hier öffentlich, weil du meine private Anfrage vielleicht nicht gesehen hast.

    Ah, sorry, die hatte ich tatsächlich übersehen. Aber gerne dürft ihr das verwenden.

    Hier noch einmal ein paar Bilder mit der Gesamtansicht der östlichen Straßenseite von unten (aus Richtung Beckergrube) und von oben (aus Richtung Mengstraße):

    20250426_124718.jpg

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    Das Haus Fünfhausen 21-25 hat jetzt seine Hüllen fallenlassen:

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    Die Fenster im Zwerchgiebel sehen mir durchaus final aus und nicht wie Provisorien, wie frank1204 weiter oben vermutete. Dennoch ein sehr schönes Ergebnis, dass die triste Straße deutlich aufwertet.

    Die Stücke sehen ja deutlich schlechter aus als ich dachte. Hoffentlich bekommt man das wieder brauchbar zusammengesetzt und restauriert. Was mögen diese braunen Flecken auf den Kapitellen sein? Oder sind das nur Schatten?

    Ich glaube, da oben gab's Baustrahler, um den Raum zu beleuchten, deswegen diese scharfkantigen Schatten. Die Fragmente sind also nicht verfärbt, aber wirkten recht stark bestoßen, wahrscheinlich wurden sie im Laufe der Jahrzehnte auch ein paar Mal umgelagert.

    Dass der Lettner jetzt nur in einer Sparversion wiederkommt, liegt vermutlich genau daran - dass die Kirche sparen muss. Die Sanierung des Innenraums mit Einbau der neuen Heizung und der Rekonstruktion des Fredenhagen-Altars wird wahrscheinlich auch so schon teuer genug.

    Die Fragmente des Fredenhagen-Altars, die im Obergeschoss des Mittelturms eingelagert sind, durfte ich letztes Jahr bei einer Turm- und Gewölbeführung durch Pfarrer Pfeifer persönlich sehen. Vermutlich kommt da jede Gewölbeführung dran vorbei, allerdings muss man schon wissen, dass es sich bei den eingelagerten Steinen um die Fragmente des Altars handelt.

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    Dass die Stücke nach Sandstein aussehen und nicht nach Marmor, liegt übrigens daran, dass es sich um sogenannten "Adneter Marmor" handelt, der in Wirklichkeit ein Kalkstein ist und nur im polierten Zustand marmorartig aussieht. Zumal der Fredenhagen-Altar ursprünglich wahrscheinlich auch bemalt war.

    Von dort oben hat man übrigens auch den perfekten Blick auf das neue Gründungsviertel:

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    frank1204 Danke für die tollen Fotos...!

    Toll, dass Fischstr. 26 doch als Reko kommt und mit dem schönen Portal und der Türe. Ich denke, das wird das Viertel nochmal ein gutes Stück weiter aufwerten!

    Weiß die Architektin, wie sie ohne die Unterstützung der Denkmalpflege, wie ich vermute) an die richtigen Profile und Details kommt, wenn die einzige Bildvorlage (ist dem wirklich so?) so undeutlich ist? Sonst melde dich gerne bei mir.

    Zumindest vom Portal gibt es eine Detailaufnahme, die 1911 in der wunderschönen Mappe "Die alte Profanarchitektur Lübecks" von Max Mezger erschien:

    Fischstrase_26_Portal.jpg

    Die stark veränderte Hausfassade schien Metzger aber offenbar nicht bedeutend genug, um sie ebenfalls abzubilden.

    Es war zumindest überraschend, gleich beim ersten Suchschnitt einen Volltreffer zu landen und den Ansatz der romanischen Apsis zu finden. Das lässt auf jeden Fall auf weitere spannende Befunde hoffen, wenn die Sanierung dann so richtig losgeht.

    Links von Ellerbrook 9 steht der zweite Bauabschnitt der "Altstadthöfe", der 2019/20 gebaut wurden und nicht nur die Grundstücke Ellerbrook 1-7, sondern auch die Fischergrube 61-67 umfasst - und übrigens vom selben Architekturbüro stammt wie die Sanierung Ellerbrook 9. Die rechts anschließenden Häuser 11-17 sind aber allesamt Altbauten, die ins späte 18. Jahrhundert zurückdatieren, aber auch alle stark übersaniert wurden (insbesondere die Nr. 17 mit ihrem Garagentor und den teils asymmetrisch geteilten, teils ungeteilten Fenstern bräuchte dringend eine denkmalgerechte Instandsetzung).

    Denkmalwürdig ist die Häuserreihe vor allem, weil es sich um den letzten Rest der historischen Bebauung der Straße handelt. Alle übrigen Häuser im Ellerbrook (bis auf die Nr. 19, die wurde glaube ich erst in den 80ern abgerissen) wurden im Krieg zerstört, darunter auch die Häuser 1-7, die ebenso wie Nr. 9-15 zu einem Reihenhaus mit durchlaufendem Dach gehörten und einen älteren Vorgängerbau des 16. Jahrhunderts besaßen, der ganghausartig vom Hof statt von der Straße erschlossen wurde, wie wir 2019 bei der Grabung im Bereich der "Altstadthöfe" feststellten.

    Eine Zusammenfassung des Grabungsberichts mit zahlreichen Abbildungen gibt's im Jahresbericht der Lübecker Archäologie 2019 auf den Seiten 18-29: https://bekanntmachungen.luebeck.de/dokumente/d/1593/inline (PDF)

    Das sieht wirklich toll aus. Ich finde es erstaunlich, wie mächtig der Giebel dieses doch relativ kleinen Hauses nun wirkt.

    Man stelle sich einmal vor, man hätte den etwa gleich alten Giebel von Fischstraße 19 im Lübecker Gründungsviertel in ähnlicher Manier rekonstruiert. Aber die Chance ist für die nächsten Jahrzehnte erst einmal vertan (außer, der Bauherr dort entschließt sich irgendwann, die historische Fassade vor die moderne zu setzen - die Proportionen des Neubaus dürften ja in etwa mit dem historischen Bau übereinstimmen).

    Schade, dass Hinter der Burg 15 mitsamt seinem mittelalterlichen Dachstuhl erst ausbrennen musste, bevor es zu solch einer Giebelrekonstruktion kommen konnte - denn vor dem Brand hatte der Bauherr dies im Rahmen der sich ewig hinziehenden Sanierung ja meines Wissens nicht geplant.

    Irgendwie gibt's aus Herford gefühlt alle halbe Jahr Abrissmeldungen. Dabei gibt's da doch mit wenigen Ausnahmen schon jetzt kein geschlossenes Stadtbild mehr. Dem Zeitungsartikel muss man aber immerhin zugutehalten, dass hier vom Abriss eines Denkmals gesprochen wird und die Überschrift nicht "Ein Schandfleck verschwindet" lautet.