Zuerst braucht man eine Nutzung für das Gebäude. Ohne eine sinnvolle Nutzung wird niemand ein Gebäude rekonstruieren. Erst recht nicht wenn es Millionen kostet.
So ist es. Genau aus diesem Grund gibt es bei so manchen Rekonstruktionsvorhaben keinen erkennbaren Fortschritt. Sehr oft fehlt leider die überzeugende Nutzung, und nur selten ist ein Landtag, ein Ethnologisches Museum oder die Impressionistensammlung eines Milliardärs als entscheidender Impulsgeber in Sicht. Beim ersehnten Wiederaufbau des Schlossturms in Neustrelitz sucht man krampfhaft nach einer solchen sinnvollen Nutzung, das ersonnene Museum für die Geschichte der Demokratie in Mecklenburg ist ziemlich diffus und nicht wirklich überzeugend (hinzu kommt ein massives Finanzierungsproblem).
Hinsichtlich der „Alten Schule“ in Wismar klingt die geplante Nutzung – zumindest auf den ersten Blick – überzeugender. Der ausführende Trägerverein, der Verein „Europäisches Zentrum der Backsteinbaukunst“ plant in dem rekonstruierten Gebäude ein „Zentrum für Backsteinbaukunst“, in dem man sich sich forschend und museal der Geschichte der norddeutschen Backsteingotik widmet. Geplant sind zudem Räumlichkeiten für kulturelle Veranstaltungen, Ausstellungen und Bildungsangebote. Zudem soll die Alte Schule als Sitz für Vereine und Initiativen dienen, die sich mit Denkmalschutz und Baukultur beschäftigen. Das alles klingt durchaus plausibel, aber woher sollen die Millionen Euro für den Wiederaufbau kommen? Der Wunsch der Befürworter des Wiederaufbaus ist es, die Alte Schule bis zum 800-jährigen Jubiläum der Stadt im Jahr 2029 zu rekonstruieren. Dieses Ziel zu erreichen ist ziemlich sportlich.
Zu guter Letzt sei auch erwähnt, dass die Alte Schule im Gegensatz zu so mancher anderen umgesetzten "kleineren" Rekonstruktion der letzten Jahre ein Gebäude war, das ringsherum eine erstklassige und aufwändig gemauerte Fassade besaß. Von daher gesehen braucht eine Rekonstruktion wirklich ein dickes Finanzpolster.

(KI-Bild)


