Posts by Freibuerger

    Orbán ist gescheitert, Ungarn hat sich für die Demokratie entschieden. Auch im Denkmalschutz beginnt eine neue Ära.

    Nach meinen Beobachtungen ist Patbal bisher nicht durch politische Äußerungen aufgefallen. Wahrscheinlich aus gutem Grund. Ich vermute, das er mit seinem bisherigen detailliertem Wissen nicht nur ein interessierter Architekturfan ist sondern ein Insider. Deshalb darf man nach diesem Wahlergebnis auch einmal froh sein.

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    Auch in Reichweite von Schloß Friedrichswerth liegt Sonneborn. Ein Schock. Während das sog. "Schieferschloß" schon 1945 abgebrochen wurde, verfällt das "Gelbe Schloß" zusehends. Es gehörte ebenfalls der Familie von Wangenheim. Es ist kaum ein Herankommen. Als ehemaliges Wasserschloß ist es noch teilweise von einem Teich umgeben, der gleichbleibend mit Wasser von 8 Grad gespeist wird.
    Ein Anwohner berichtet mir von dem Schicksal des Schlosses. Zu DDR-Zeiten diente es als Wohnhaus. Die Kinder spielten im angeblich großartigen Dachstuhl. Nach der Wende wurde es von einem Landwirt aus Bayern erworben. Dieser hatte nur Interesse an den Ländereien. Heute wäre ihm ein Abriß höchst willkommen. Ob sein Umfeld in Bayern dies weiß? Der Bürgermeister zeigt kein Engagement. Das Dach hat zwar Löcher, hätte aber noch eine Chance. Aber nicht mehr lange. Im Ort gibt es ein großes Werk der Firma "Velux", vielleicht ein potentieller Spender.
    Aber ich spürte die große Resignation des Bewohners. Dem Ort wird ein ortsbildprägendes Gebäude genommen, ein Geschichtszeugnis, welches vielleicht gerade in diesen globalen Un-Zeiten identitätsstiftend wäre. Ob damit "abgehängt" gemeint ist?

    Man sollte eigentlich um dieses Schloß kämpfen. Aber in Thüringen, besonders Südthüringen, habe ich gerade kürzlich noch viel mehr Verfall gesehen, wie im Endstadium der DDR.

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    Aktuelle Bilder von Schloß Friedrichswerth.

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    Rund um das Schloß wurden einige Bäume gefällt.

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    Vom ehemaligen Jugendwerkhof stehen noch die Werkstätten. Wenn sie noch intakt sind, könnte im Sommer vielleicht eine internationale Jugendbauhütte den völlig verwilderten Park freilegen. Kleine Träumerei!

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    Es war nicht möglich in den alten Park hinein zu kommen.

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    Schöne Villa neben dem Schloß.

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    Altes Waisenhaus.

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    Geburtshaus von Prof. Hermann Haack.

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    Die Äußerung von Freibuerger zeugt auch von erschreckender Unkenntnis der Geschichte.

    Nach Rücksprache mit der Familie bleibt es dabei. Der in Breslau zur Evakuierung der Familie zugewiesene Zug wurde nicht erreicht. Ein Kind erlitt in diesen Tagen massive Erfrierungen. Deshalb entschloss sich die Mutter mit einigen Nachbarn zur Rückkehr in die Wohnung in Groß-Tschansch. Dort verblieben sie sehr lange, bis die Russen schon lange da waren. Die Aufforderung sich zu entscheiden, hat so stattgefunden. Der Ost-Umsiedler-Ausweis in der SBZ stammt vom 07. August 1946.
    Im Übrigen beschäftige ich mich seit 40 Jahren mit deutscher Geschichte, habe unzählige Orte in ehemaligen Ost- und Südgebieten besucht, verbrachte Urlaube bei verbliebenen Sudetendeutschen und befragte zig Flüchtlinge bis zum heutigen Zeitpunkt zu ihrer Geschichte.
    Es steht nicht alles in Büchern.

    Die Polen in Danzig, Warschau und Breslau nicht?

    Ein typisches Narrativ aus Polen, i.P. ein Opfermythos Narrativ. Sorry das ich das so sage , auch wenn sie selbstverständlich auch Opfer waren, das aber in einem anderen Kontext !

    Aus den Ostgebieten wurden 12-14 Mio Deutsche vertrieben, die größte Vertreibung in der europ. Geschichte..bis heute. Polen hatte in keinster Weise einen solchen Druck schnell Wohnraum schaffen zu müssen, zumal es ja deutlich mehr Fläche dazubekommen hatte.

    Jaaa, im früheren Ost-Polen, also heute zu Weißrussland und der Ukraine gehörig wurden Gebiete (auch) abgetrennt, aber die Menschen dort konnten frei entscheiden ob sie bleiben oder ins sozusagen neue Polen gehen. Die Rekonstruktionen in den wunderbar wiederaufgebauten Städten, wie Breslau, Danzig, etc. konnten daher mit weniger Druck und viel mehr Zeit stattfinden, zumal die Kommunisten auch noch bevorzugt Plattenbauten am Stadtrand errichteten, was ja dem sozialistischen damaligen Zeitgeist entsprach. In der Innenstadt von Danzig z.B. war ja genug Wohnraum für Polen da, die Deutschen wurden ja verjagt, und parallel konnte man sich den Rekonstruktionen widmen, bei gleichzeitigem Stadtbetrieb.

    Ich weiß, meine Zeilen haben mit dem Thema hier nix zu tun aber ich würde sie gern teilen. Mein Schwiegervater, gebürtig in Breslau, hat erzählt: Nachdem die Front über die Stadt hinweggezogen war, gab es immer noch lange Deutsche in der Stadt. Polnische Behörden kamen und sagten: Wir fragen Euch dreimal, wollt ihr Polen werden. Falls nicht, müsst ihr verschwinden. Beweisen kann ich es nicht aber was mich beeindruckt, Breslau wurde entsprechend der Möglichkeiten sehr gut wieder aufgebaut, so wie Danzig, Elbing, Ost-Görlitz usw.

    Ich kenne Erfurt aus familiären Gründen seit den 1990er Jahren. Der Kelch der geplanten Flächenabrisse in der Endphase der DDR, z.B. im Andreasviertel, ist zum Glück an der Stadt vorbei gegangen. Aber in den letzten Jahren mußte man unbedingt "zeitgenössig" in der Altstadt bauen, z.B. an der Stelle des jüdischen Schatzfundes. Warum auch immer favorisiert man Flachdächer. Leider erkenne ich kein bürgerschaftliches Engagement für ein angepasstes Bauen. Deshalb habe ich große Bedenken wegen des brandgeschädigten Hauses.

    Hallo Patbal,

    kannst Du evtl. auch von positiven Rekonstruktionsvorhaben in Sopron/Ödenburg berichten?
    Ich habe die Stadt vor der Wende mehrfach besucht und war immer von deren Charme begeistert. Sie besitzt ja, wie Freiberg, ein Bergbaumuseum mit vielen historischen Gemeinsamkeiten. 1988 wurde ich mal an der Grenze zu Österreich in Fertőrákos festgenommen, nur weil ich Fossilien sammeln wollte. Schon damals waren die ungarischen Grenztruppen gnädig und ein Jahr später haben sie den Falls der europäischen Grenze mit ermöglicht. Noch heute ziehe ich meine Hut vor diese Leistung.
    In den letzten Jahren ist die Stadt ein bischen trotz UNESCO-Welterbestätte "Kulturlandschaft Fertő/Neusiedler See" verwaist; so war zumindest mein Eindruck.
    Beste Grüße
    Freibuerger

    Bei solchen Bildern geht mir immer das Herz auf. Ein Vorfahre von mir war dort einer der ersten urkundlich genannten Drechsler im 17. Jahrhundert und weitere Bergleute sowie Glasmacher in der berühmten Heidelbacher Glashütte. Jetzt ist die richtige Zeit, den Ort zu besuchen, in der Adventszeit ist in den Geschäften kaum noch Platz.


    Mal etwas anderes. Am nördlichen Stadtrand von Prag verfällt ein Stück böhmische Industriegeschichte. Zwischen der Siedlung Zámky (Brnky) und Bohnice , unmittelbar an der Moldau, wurde 1886 die erste Dynamitfabrik in Österreich-Ungarn gegründet. Der Betrieb begann am 15. Mai 1870 unter der persönlichen Aufsicht von Alfred Nobel. Neben den Betriebsgebäuden wurden auch Gebäude mit Wohnungen für Arbeiter und anderes Personal errichtet. Bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden hier Feuerwerke hergestellt. Heute befindet sich das Areal in Privatbesitz. Der Eigentümer möchte es in einen Ort der Entspannung und Erholungsaktivitäten verwandeln.

    hier die tschechische Seite dazu LINK

    Dafür können die Akteure in Tschechien nach 1989 recht wenig. Im Gegenteil, ich sehe in den letzten Jahren, daß sich die Gesellschaft in Nordböhmen mit der deutschen Vergangenheit intensiv beschäftigt. Da werden Ortslagen verschwundener deutscher Ortschaften im böhmischen Erzgebirge sehr gut beschildert oder grauenhafte Massaker an Sudetendeutschen von jüngeren Generationen aufgearbeitet (siehe Postelberg).

    Man muss sich entscheiden, möchte man gemäß den Intentionen dieses Forums Orte mit intakter historischer Struktur. Dann kann es passieren, dass eine überwiegende Mehrzahl von Menschen diese besuchen will. Ist dies nicht gewünscht, gibt es ein Problem - vielleicht Orte mit negativem demografischem Wandel oder Restriktionen. Was nun? Ein Freund von Eintrittsgebühren in allerlei Hotspots bin ich auch nicht.