Ich digitalisiere gerade alte Dias aus den frühen 70ern, die meine Eltern aufnahmen. Darunter sind einige Fotos vom Piazza del Campo in Siena.




Ich digitalisiere gerade alte Dias aus den frühen 70ern, die meine Eltern aufnahmen. Darunter sind einige Fotos vom Piazza del Campo in Siena.




Es kommt immer darauf an, wie man sich vorbereitet. Das halte ich für elementar, um Enttäuschungen vorzubeugen. Ich hatte eine große Liste für Nürnberg, lief durch kunstfeindliche Wüsteneien und Depressionen fördernde Architekturensembles und fand dennoch an vielen Ecken das, was ich von einer Altstadt erwarte. Zumindest aus „fotografischer Sicht“ (ja ja, ich weiß, erlebtes Altstadtflair und schöne Bilder sind etwas anderes, aber ich kombiniere eben beides). Der Nürnberger Neuaufbau wird natürlich verklärt, es ist Unsinn, wie es glaube ich das Denkmalamt tat, von geschlossenen Räumen und einer Überfülle an Historischem zu fabulieren. Das ist ein Argument, um den Willen zu künftigen Rekonstruktionen in den Ruch der Wahnideen und der verzerrten Wahrnehmung zu bringen. Nach dem Motto: „Wer rekonstruieren möchte, sieht die Realität der Nürnberger Altstadt nicht und hat womöglich Probleme, die er in diese wunderbare Altstadt projiziert“. Es ist selbstverständlich nicht so, dass Nürnberg eine geschlossene Altstadt vorweist, aber es gibt partiell dennoch schöne und fast geschlossene Orte. Man sollte trotz aller Trauer nicht das Kind mit dem Bade ausschütten und zu einer „ist alles Müll“-Haltung übergehen. Wer sich vorbereitet, wird am Ende auch belohnt.
Ich war anfänglich sehr skeptisch, aber der Nöfer-Bau ist m.E. eines der seltenen Beispiele, bei denen das fertige Gebäude besser aussieht als die Visualisierungen. Und das will etwas heißen.
Beim vormittäglichen Gang zur Optikerin einige Fotos des „Globus“-Warenhauses (1904) am Marktplatz geknipst. Eine von zwei Jugendstilperlen in Basel (zumindest für hiesige Verhältnisse ein bedeutender Bau an zentraler Lage). Es wurde in den letzten Jahren durch Benkos Signa-Konzern entkernt, die Zukunft war dementsprechend ungewiss. Jahrelang standen nur die Außenmauern. Mittlerweile hat ein thailändischer Investor das Kaufhaus übernommen. Der Umbau neigt sich zum Glück dem Ende entgegen.



Ein Foto aus dem letzten Jahr vom Rheinsprung. Eine der geschlossensten freigelegten Fachwerkensembles in der unmittelbaren Innenstadt. Was mir besonders gefällt, ist die Patina. Leider finden sich auch noch Graffitis am Eingang der Gasse, die seit bald Jahrzehnten nicht entfernt wurden.
Ich lehne diesen Pfeil vehement ab, aber man muss die Relationen dennoch berücksichtigen. 1. Er befindet sich an der Stella-Fassade, die barocken Partien sind davon unberührt. 2. Stella gab sein grünes Licht, der ja alles andere als ein Schlossgegner ist und mehr rekonstruierte, als ursprünglich vorgesehen war 3. Halte ich die Interpretation, dass das Schloss mit einem Pfeil „angegriffen“ wird für überzogen, damit gibt man diesem Unsinn eine intellektuelle Tiefe, die er nicht hergibt. Wie gesagt: Ich halte es für ein dekadentes Anbringsel, das mit meiner Vorstellung von anspruchsvoller Kunst nichts zu tun hat und in meinen Augen ein Symptom des heutigen „Kunstmarkts“ insgesamt ist. Aber es ist nichts, das diesen enormen Aufwand an spitzfindigen Interpretationen wert wäre.
Kunst darf, ja muss polarisieren. Dementsprechend darf man sie auch gehässig kritisieren. Wir glauben heute zu unrecht, dass die Kunst wie ein zartes Pflänzchen gehegt und behütet werden muss und der Künstler sich in einem dauernden Safe Space befindet, das ihn von jeglicher Kritik enthebt. Das tut er nicht, erst recht nicht, wenn sein Werk sich -wie hier- im öffentlichen Raum befindet. Insofern: Es wird immer die Diskussion geben, was Kunst darf, was Kunst sei, was den Künstler motiviert, wo er sich politisch verortet, was die Intention der Auftraggeber ist usw. Diese Auseinandersetzung gehört zum natürlichen Prozess, wenn solche Werke im öffentlichen Raum platziert werden. Wenn „die“ Kunst auf diese Konflikte verzichten will, wird sie impotent und verliert sich in Beliebigkeit (diesen Pfeil verbuche ich persönlich unter diese Rubrik). Mit einer persönlichen Ablehnung wird weder die Kunst an sich delegitimiert, noch ist damit ein Ruf nach Verboten verbunden. Mit Kritik an seinem Werk muss auch ein Künstler leben, erst recht, wenn es als Provokation und bewusster Stilbruch empfunden wird. Mir missfällt diese Haltung, dass alle Kunst per se von jedem gutgeheißen werden muss, nur weil es als Kunst deklariert wurde und damit jeglicher Kritik enthoben ist. Damit tut man der Kunst, dem Künstler und seiner Resilienz keinen Gefallen. Dadurch verliert er auch die Fähigkeit, sich mit Fundamentalkritik souverän auseinanderzusetzen.
Eines meiner Lieblingsmotive in Basel: Der Hohenfirstenhof, als Adelssitz erbaut im 14. Jahrhundert, kurz nach dem verheerenden Erdbeben 1356. Eine sehr friedliche Ecke der Basler Altstadt und -wie die ganze Stadt- touristisch nicht überlaufen.
Ich wäre ein vehementer Gegner der Schirn, wenn sie nur Gegenwartskunst zeigen würde und eine einseitige Doktrin verträte. Aber sie ist eine Institution, die auch dem „konservativen“ Kunstgeschmack Rechnung trägt und viele herausragende Ausstellungen -vor allem des 19. und frühen 20. Jahrhunderts- zu verantworten hat. Natürlich wäre es mir lieber, wenn sie dezentraler gebaut worden wäre und die Fläche für Rekonstruktionen offenstünde. Ist nun aber nicht der Fall und wird es auch nie sein. Ich hab vor einigen Jahren einen Brandbrief an den Frankfurter Bürgermeister geschrieben, dass man sie abreißen solle, „Schandfleck“ etc. und bekam eine sehr lange Antwort, die mich letztlich überzeugte und mir zeigte, dass es durchaus eine Kunsthalle ist, die zurecht ein Stolz der Bürger ist. Die klassische Malerei gehört eben auch zur Kultur, nicht nur das historische Stadtbild (wobei ich die Schirn für einen der ansprechenderen modernistischen Museumsbauten halte). Wir tendieren hier oftmals dazu, Kultur ausschließlich auf Gebäude zu reduzieren. Ja, auch ich bin hin- und hergerissen und es bricht mir das Herz, die Vorkriegsbebauung zu betrachten und mir zu vergegenwärtigen, dass das alles perdu ist. Gleichzeitig akzeptiere ich aber das neue Konzept einer gehobenen Kunsthalle. Ich plädiere dafür, sich damit abzufinden und diverse Ausstellungen zu besuchen. Selbst bereue ich rückblickend, dass ich manche Ausstellung ausließ, obwohl Frankfurt nur drei Stunden entfernt liegt. Auch die Pflege der Kunst gehört zu unseren Anliegen. Und ich stimme Rastrelli zu, dass man inhaltlich argumentieren und nicht aus allem einen persönlichen Grabenkampf machen muss. Tegula hat in diesem Fall in meinen Augen absolut recht, wenngleich ich natürlich immer(!) für eine offene Diskussion bin und Pros und Kontras immer zulässig sind.
Man fragt sich, wie so etwas möglich ist. Nun kann man natürlich argumentieren, dass „Zeitschichten sichtbar gemacht werden müssen“. Gleichzeitig sollte man aber ein Mindestmaß an ästhetischem Anspruch zum Maßstab des Erhalts solcher „Zeitschichten“ nehmen. Natürlich kann man das machen, wenn es sich um Außenbezirke handelt, die ausschließlich zum Wohnen konzipiert sind. Aber hier geht es um die prägendste Lage der Neustadt. Es ist völlig klar, dass hier der „Denkmalschutz“ langfristig Rekonstruktionen verhindern will und -wie so oft in Deutschland- über fadenscheinige Schleichwege zum Ziel gelangen möchte. Wer würde denn schon beim „Denkmalschutz“ an eine politische Agenda denken. Mir scheint, dass hier unterschwelliger Sadismus vorherrscht. Kurz: Einerseits die Erinnerung an die (gute) Diktatur, die dadurch natürlich veredelt wird. Andererseits die Erinnerung an die Zerstörung, die hier mit pathologischer Lust betrieben wird. Beides liesse sich nur ideologisch, sozusagen aus „volkserzieherischen“ Gründen, und mitnichten künstlerisch erklären. So wie sich die andauernden Verhinderungen von Rekonstruktionen nur ideologisch begründen lassen. Das wollen viele Deutsche glaube ich nicht wahrhaben, aber in meinen Augen ist die ganze Debatte weltanschaulich verseucht und die Baupolitik immer ein politisches Statement, ein „Zeichen setzen“ und „Haltung zeigen“ in Beton, ein lautes und gleichzeitig verschwiegenes (und allzuoft geleugnetes) „Nie wieder“ aus Stahl und Glas. Ich weiß natürlich im Voraus, dass dieser Beitrag ziemlich sicher zu Beissreflexen führen wird. Aber naja, so sehe ich es eben.
Der Naumburger Dom
Einige Impressionen von meinem Tagesausflug im Mai:
















Ich war letzten Monat in Weimar und habe das Rokoko-Kleinod der Stadt, nämlich die 1691 gegründete und nach dem Brand 2004 liebevoll restaurierte Anna Amalia Bibliothek, besucht und fotografisch festgehalten. Ich poste hier mal einige Impressionen dieses lichtdurchfluteten Gesamtkunstwerks. Manche Häuser und vor allem Sonderaustellungen der KSW sind hinsichtlich der Veröffentlichung von Bildern strenger. Die Anna Amalia Bibliothek gehört laut Homepage nicht zu diesen Häusern, weswegen ich sie auch poste. Ein Besuch lohnt sich sehr, aber die Anzahl an Besuchern ist beschränkt. Weswegen eine vorherige Anmeldung ratsam ist.







Es ist traurig, was da geschah und das Wallis steht sicherlich noch lange unter Schock. Aber diese Superlative sehe ich auch kritisch. Das Jahrtausend hat noch kaum angefangen. Warten wir also mal ab. Und die Schweizer neigen ohnehin zu solchen Übertreibungen, sobald ein Unglück mal ihr Land trifft. Kann mitunter nerven, aber so sind „wir“ halt. Noch zu Rösti: Er ist ein guter und einer der wenigen ehrlichen Politiker, der als Kompromisskandidat der SVP gilt und Brücken schlägt. Für seinen Namen kann er nichts.
Ich sage immer, Deutschland ist ein Land für ästhetische Trüffelschweine. Man muss oftmals suchen, aber wird am Ende sehr belohnt. Und die kleineren und die Mittelstädte müssen einen Vergleich mit Frankreich und Italien auch nicht scheuen. Wenn man sich die UNESCO-Listen anschaut, sieht man, wie reich an kulturellem Erbe Deutschland immer noch ist. Ich fühle mich immer etwas auf die Füße getreten, wenn manche sagen „in Deutschland ist alles hässlich“. Wie Tegula habe ich das Land seit ich 17 bin ordentlich bereist und kam meist auf meine Kosten. Ja, manche Altstädte sind recht klein, wie beispielsweise Mainz oder Ulm. Aber dennoch sehenswert. Auch Nürnberg. Großartige Stadt, die aber noch eines gewissen Elans bedarf, was Rekonstruktionen betrifft (Pellerhaus). Ich sehe im obigen Beitrag eine tiefe Trauer über den Verlust und den Unwillen, ihn rekonstruierend zu beheben. Das verstehe ich. Aber -und da bin ich ausnahmsweise bei Tegula- es gibt eine Unzahl an Schönem in diesem Land. Und das gilt es zu entdecken.
Scheint sogar ziemlich sicher zu sein, wenn man die Medien überfliegt. Im Cicero wird bereits von einer konservativen Wende in diesem Ressort gesprochen. Das wäre ein Glücksfall.
Auch wenn das ins Anekdotische abdriftet: Der Breuninger in Freiburg war lange eine Institution in der Region, bevor fast alles auf den Onlineverkauf verlagert wurde. Ein gehobenes und riesiges Modehaus, wie man es sich nur wünschen kann und das die Kundschaft aus drei Ländern begeistert(e). Wir fuhren früher mit der Familie oft nach Freiburg und am Ende schauten wir uns im Breuninger an, was gerade Mode ist. Man darf bei allem nicht vergessen, dass eine Stadt neben den architektonischen Filetstücken (von denen Freiburg immer noch viele hat) auch ein Lebensraum ist, der nicht zwingend mit hohem bauästhetischem Anspruch einhergeht. Mich persönlich störte der Bau und was er repräsentierte nie und ein Geschäft solchen Umfangs braucht(e) eben ein entsprechendes Gebäude. Was ich eher beklage, ist, dass ein Stück „Erlebnis“ kaputt geht durch den Onlinehandel (woran ich ehrlicherweise ebenfalls eine Mitschuld trage). Ich bleibe dabei: Freiburg hat mehr richtig als falsch gemacht.
Um an das Schöne dieser Stadt noch zu erinnern, weil meine Uploads von Abload verschwunden sind:

Das historische Kaufhaus

Das Haus zum Walfisch

Der Basler Hof
Was mich daran stört, ist, dass die Sicht auf die Fassade arg beeinträchtigt wird, ja dass sie fast unsichtbar gemacht wird. Gegen eine Begrünung bin ich nicht grundsätzlich, aber in diesem Falle sehe ich es sehr kritisch und unterstelle entweder ästhetische Unbedarftheit oder eine gezielte Spitze gegen den Schlossbau. Wie gesagt: Begrünung jederzeit, weil der Platz ansonsten tatsächlich wie eine ungastliche Wüste wirkt. Aber bitte in einem Verhältnis, das die Sichtachsen nicht beeinträchtigt. Das ist hier nicht gegeben und es tut mir leid um die fantastischen Werke der Bildhauer, die nun auf diesem Platz wortwörtlich ein Schattendasein fristen müssen.
Berlin war ein Schmuckstück aus gründerzeitlicher Architektur. Ich würde sogar behaupten, dass viele Berliner Gründerzeitler von höherer ästhetischer Qualität waren, als vieles in der Berliner Altstadt, wo auch niemand auf die Idee käme, dass es ein Fehler wäre, diese Stadtlandschaften wiederaufzubauen. Dass man also bei einer für die Stadt so stilprägenden Epoche auf Rekos hofft (auch wenn es heute illusorisch ist), ist in meinen Augen völlig nachvollziehbar. Diese abschätzigen Beiträge kann ich nicht nachvollziehen, zumal sich die Baugeschichte der weitestgehend geschlossen barocken Innenstadt Dresdens (abgesehen von der Größe) nicht mit Berlin vergleichen lässt. Die Gründerzeit war für die Stadtidentität elementar.
Ein sehr sympathischer und überlegt argumentierender Mann. Ob er ein Kultusminister in unserem Sinne würde und sich für Rekonstruktionen und Stadtreparatur einsetzt, muss sich wohl noch zeigen. Aber er wirkt auf den ersten Blick sehr unaufgeregt (was alleine schon in unseren hysterischen Zeiten recht wohltuend ist). Man wird sehen.
Noch ein Beispiel für mittelalterliche Drachendarstellungen: Der Georg am hiesigen Münster, unterhalb des nach ihm benannten Georgsturms. Auch hier ist er sehr klein geraten.

