Goslar Pfalz

In unmittelbarer Nähe zur Kaiserpfalz von Goslar ist ein großes Bauprojekt geplant. Wie zu befürchten stand, sind die bisherigen Entwürfe vollkommen modernistisch und setzen wie immer nur auf Bruch statt auf Harmonie mit der Umgebung. In unserem Forum existiert zu dem Thema ein eigener Strang. Dazu haben wir uns nun in einer längeren Pressemitteilung mit Verbesserungsvorschlägen an die Goslarer Politik gewandt.

Pressemitteilung

Das ehemalige Gelände des Bundesgrenzschutzes (BGS) war seit Jahren ein städtebaulicher Schandfleck für Goslar. Insofern war die Initiative, dieses Gelände einem neuen Zweck zuzuführen, absolut richtig. Ebenfalls zu begrüßen ist die Entscheidung, den ehemaligen Standort des Goslarer Doms würdevoller zu nutzen als mit einem Parkplatz.

Das auf dem ehemaligen BGS-Gelände geplante „Kaiserpfalzquartier“ soll Standort eines Hotels und einer Veranstaltungshalle sein. Abgerundet wird das Konzept durch eine Tiefgarage, um wegfallende Parkplätze zu kompensieren. Obwohl der Sinn einer Veranstaltungshalle an dieser Stelle durchaus in Frage gestellt werden darf, ist die Notwendigkeit von Parkmöglichkeiten und zentrumsnahen Hotelbetten ebenfalls unstrittig. Eine Notwendigkeit zur Entwicklung dieser beiden Areale ist überparteilicher Konsens, dem sich auch der Verein „Stadtbild Deutschland“ anschließt.

Am 16. Mai 2019 war der Goslarschen Zeitung zu entnehmen, dass in einem nicht öffentlichen Architekturwettbewerb zwei Entwürfe mit dem ersten Platz ausgezeichnet wurden. Zum einen der Entwurf des Büros Auer-Weber Architekten und zum anderen der von Nieto Sobejano Arquitectos. Beide sehen eine Aufteilung von Hotel und Veranstaltungshalle auf drei Gebäudekörper vor.

Was die Gestaltung dieser Kuben anbetrifft, gab es in der Presse jüngst viel Kritik in Form von Leserbriefen. Kritik, der sich der Verein Stadtbild Deutschland e.V. anschließt. Gleichzeitig möchten wir aber auch aufzeigen, welche Alternativen es gibt, an dieser Stelle einen Architekturstil zu finden, der zum einen den modernen Ansprüchen genügt, gleichzeitig die nötige Akzeptanz in der Bevölkerung genießt und mehr Respekt vor den historischen Bauten zeigt.

Das Kernproblem, was wir bei den aktuellen Entwürfen sehen, ist der absolute Stilbruch zwischen den geplanten Neubauten und den Bestandsgebäuden der historischen Altstadt. Diesen Bruch wollte man mit dem, 2003 unter Oberbürgermeister Ottmar Hesse verabschiedeten, Goslarer Gestaltungshandbuch verhindern. Warum die darin genannten Richtlinien beim Projekt „Kaiserpfalzquartier“ keine Anwendung fanden, bleibt eine offene Frage. Im Sinne dieser Gestaltungsvorgaben sehen wir beim Entwurf des Büros Auer-Weber das größere Potential, da der Entwurf zumindest eine moderne Adaption einer Dachlandschaft andeutet. Der Entwurf von Nieto Sobejano setzt hingegen auf ein striktes Flachdach. Was bei diesem Entwurf jedoch positiv ins Gewicht fällt ist die Verwendung von Schiefer in der Fassade. Leider bleibt dies auch der einzige positive Punkt in Bezug auf diesen Entwurf.

Um dem offensichtlichen Wunsch der Menschen nach einer stilistischen Kontinuität im Goslarer Stadtbild gerecht zu werden, müssen die Entwürfe dementsprechend von den Architekturbüros angepasst werden.

Einer der wichtigsten Punkte wäre die Abänderung der Dachlandschaft. So müsste zumindest den Gebäuden des Hotels ein traditionelles, traufenständiges Satteldach aufgesetzt werden, welches mit roten Ziegeln oder kleinen Schieferplatten zu decken wäre. Dadurch wäre nicht nur die Optik der historischen Dachlandschaft gewahrt, sondern würde dem Hotel noch zusätzliche Nutzfläche durch ein Dachgeschoss mit Gauben eingeräumt. Ein interessantes Szenario auch für den Investor.

Als nächstes muss die generelle Fassadengestaltung überdacht werden. Dabei sollten zwei Dinge im Vordergrund stehen, die Gliederung und die Materialität. Fassadengliederungen erfolgen in der Regel über Gesimse (horizontal) und über Fensterachsen (vertikal). Beginnend mit der vertikalen Gliederung über Fenster appellieren wir an die Verantwortlichen, die Neubauten mit klassischen, stehenden Fenstern zu planen. Lange Fensterbänder wie bei Auer-Weber oder asymmetrische Fensterschlitze wie bei Nieto Sobejano sind grundsätzlich abzulehnen. Dafür sollten die Fenster dann lieber eine historisierende Laibung aus Sand- oder Naturstein erhalten.

Ein weiteres Mittel der vertikalen Gliederung einer Fassade ist ein Risalit. Dieser vorspringende Gebäudeteil mit einem ansprechenden Giebel könnte z.B. das Treppenhaus aufnehmen und somit ebenfalls mehr Nutzfläche im Gebäudekern garantieren.

Die Materialität sollte sich vor allem an dem orientieren, was bereits da ist. Sie sollte also ortstypisch sein. So wäre, analog zur Kaiserpfalz und den wilhelminischen Kasernen, eine Sand- oder Natursteinfassade in Erwägung zu ziehen. Eine weitere Möglichkeit wäre eine Fassade, die großflächig mit Putz arbeitet und Sandsteinelemente punktuell für Fensterlaibungen und Gesimse einsetzt. Aber auch eine zweigeteilte Fassade ist denkbar, die im Erdgeschoss mit Naturstein verkleidet ist und in den Obergeschossen mit Putz oder Schiefer arbeitet.

Ungeachtet all der diversen Gestaltungsmöglichkeiten, die hier aufgezählt wurden, muss die Sensibilität und der Respekt vor der historischen Bausubstanz sich in den Neubauten wiederfinden. Da dies die aktuellen Entwürfe nicht tun, plädieren wir für eine historisierende Überarbeitung.

Der Verein hat den Potsdamer Architekten Pake Jeyabalan gebeten, eine skizzenhafte Überarbeitung der bisherigen Pläne vorzunehmen, um zu illustrieren, wieviel mehr Gestaltung sich aus den vorhandenen Plänen noch herausholen lässt. Die Skizze ist diesem Schreiben beigefügt.

Pake Jeyabalan, Goslar Kaiserpfalzquartier
Pake Jeyabalan, Entwurf zum Kaiserpfalzquartier in Goslar

Der Verein bittet die Goslaer Stadtverwaltung, die Stadträte und den Oberbürgermeister, sich für eine Überarbeitung der bisherigen Entwürfe einzusetzen.

3 thoughts on “Goslars Kaiserpfalz in Gefahr?

  1. Tut mir leid, aber die Argumentation kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Die Situation in Goslar ist durch Bauten unterschiedlichster Epochen und Stile geprägt, so dass man hier durchaus zeitgemäß bauen darf, wenn man im Hinblick auf Proportion, Gliederung und Material sensibel ist und dabei im Blick behält, einen insgesamt stimmigen und hochwertigen Beitrag zu liefern. Letzteres kann ich für die Skizze oben überhaupt nicht sagen. Was soll denn diese Architektur mit Goslar zu tun haben? Das gekappte Mansarddach ist grottigste Investorenarchitektur, diese Palais- und Kuranlagenversatzstücke stehen absolut unglücklich in der Gegend herum und sind der perfekte Beleg, dass historisierende Architektur im historischen Umfeld keineswegs das Patentrezept sind.

    1. „…so dass man hier durchaus zeitgemäß bauen darf, wenn man im Hinblick auf Proportion, Gliederung und Material sensibel ist und dabei im Blick behält, einen insgesamt stimmigen und hochwertigen Beitrag zu liefern.“ – Ja, genau das wünscht man sich an diesem Ort. Doch die zwei genannten „Siegerentwürfe“ liefern das alles nicht. Würde man sie tatsächlich bauen, hätte Goslar eine Bausünde, über die sich die meisten Bürger ständig, bis zu ihrem Abriss, ärgern würden. Daher wird eine dem Stadtbild zuträgliche Überarbeitung gefordert, bevor es zu spät ist. Kästen, Klötze und Würfel gibt es genügend in Deutschland, und die Allgemeinheit findet sie nicht attraktiv. Das ist bekannt. – Die Skizze von Pake Jeyabalan ist eben nur eine Skizze. Aber selbst diese schnell gezeichneten Bauten empfinde ich sofort als deutlich angenehmer, als das, was dort im schlimmsten Fall demnächst gebaut werden soll. – Bitte tut das dem schönen Goslar nicht an!

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