„An

Herrn Bezirksbürgermeister

Stephan von Dassel

Mathilde-Jacob-Platz 1

10551 Berlin

Sehr geehrter Herr von Dassel,

dem gründerzeitlichen Mietshaus Schwedter Straße 247 und drei benachbarten Häuser droht der Abriss! Für das fünfgeschossige Haus im Bezirk Mitte wurde im Mai ein Bauantrag für den „Neubau von zwei Wohngebäuden (…) mit einer Tiefgarage mit 16 Pkw-Stellplätzen auf 4 Grundstücken“ gestellt. Ebenfalls betroffen sind also vermutlich die benachbarten, gleichfalls leerstehenden Häuser Schwedter Straße 248 und Kastanienallee 67 und 68.

Die Häuser befinden sich inmitten des großen, weitgehend geschlossen erhaltenen Gebiets der gründerzeitlichen Stadterweiterung zwischen Torstraße und S-Bahnring im Bezirk Mitte. Die vier Häuser wurden erkennbar seit Jahrzehnten vernachlässigt, die abgestuckten Fassaden sind ergraut. Die meisten Mietshäuser dieser Bauepoche in der beliebten Wohngegend wurden während der letzten Jahrzehnte saniert, viele originale Fassaden aufwändig restauriert.

Die vom Abriss bedrohten Häuser stehen Wand an Wand in einem intakten Altbauensemble. Es ist nicht erkennbar, warum es nicht möglich gewesen wäre, auch diese vier mehr als hundertjährigen Gebäude wiederherzustellen und für Wohnzwecke nutzbar zu machen.

Die betroffenen Häuser befinden sich nicht in einem Erhaltungsgebiet und unterliegen nicht dem Denkmalschutz. Der Denkmalbereich um die Christinenstraße ist gleichwohl nur wenige hundert Meter entfernt.

Während bis vor wenigen Jahren Neubauten in den gründerzeitlichen Gebieten Berlins fast ausschließlich auf Brachgrundstücken als Lückenschluss erbaut wurden, geht es nun vermehrt auch noch bestehenden Altbauten an den Kragen. Die Vorgehensweisen hierbei ähneln sich: jahrzehntelange Vernachlässigung, schließlich Leerstand, Abbruch und Neubau.

Neubauten innerhalb weitgehend intakter gründerzeitlicher Quartiere lassen sich hochpreisig vermarkten. Sie profitieren von dem lebendigen und attraktiven Umfeld, zu dessen Zerstörung sie gleichzeitig beitragen. Zugleich würde der „Erfolg“ von Vernachlässigung, Abriss und Neubau die Motivation anderer Eigentümer gründerzeitlicher Mietshäuser untergraben, ihre Immobilien zu sanieren und nicht nur zur Werterhaltung ihres eigenen Hauses, sondern auch zu der des umgebenden Quartiers beizutragen.

Wenn es keinen Schutz solcher Altbauten durch Erhaltungsverordnungen oder Denkmalrecht gibt, wird es zu immer weiteren Verlusten dieser Art kommen und das weitgehend geschlossene historische Straßenbild der gründerzeitlichen Quartiere dieser Stadt, die Krieg und Jahrzehnte des Verfalls überstanden haben, Stück für Stück verschwinden. Weiter ansteigende Immobilienpreise dürften diese Entwicklung noch verstärken.

Bitte machen Sie Ihren Einfluss dahingehend geltend, dass der Abriss dieser erhaltungswürdigen Häuser noch verhindert wird und dass die Altbauquartiere und ihre Bewohner im Bezirk Mitte durch geeignete Erhaltungssatzungen besser geschützt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Ortsverband Berlin von Stadtbild Deutschland e.V.“