Symposium Max Bächer 16.1.2019, Kaffeepause

Am 16.-17. Januar fand an der TU Darmstadt im Fachbereich Architektur ein Symposium zu Ehren des 2011 verstorbenen Architekten statt. Schwerpunktthema der Veranstaltung und der darin eingebundenen Podiumsdiskussion war ein kritischer Blick auf den Ablauf und die Organisation von Architekturwettbewerben in Deutschland.

Daran haben auch Vereinsmitglieder von Stadtbild Deutschland teilgenommen.

Dabei wurde die gegenwärtige Entscheidungspraxis, wie über Architektur entschieden werde, als zu intransparent und qualitativ schlecht eingeschätzt und dementsprechend dann auch die Ergebnisse aus Wettbewerben als  qualitativ oft minderwertig eingeschätzt.

Jörn Köppler aus Berlin von „Wettbewerbsinitiative e.V.“., der einen der Vorträge hielt, kritisierte, dass kommunale Stadtplanungsämter nur noch darauf abzielten, Verfahrensfehler zu vermeiden, um sich gegen Klagen und Mehrkosten abzusichern. Fragen der Ästhetik würden immer weniger eine Rolle spielen.

Generell wurde bemängelt, dass der Anteil der Wettbewerbe, v.a. freier, offener Wettbewerbe, immer mehr zurückgegangen sei und vor allem junge, neue Büros es immer schwerer hätten, an Wettbewerben teilzunehmen.

Dies habe v.a. zwei Gründe:

Erstens würden die Anforderungen an die Wettbewerbsteilnahme immer mehr nach oben geschraubt. Ein junges, neues Büro müsse bei einem Schulneubau z.B. zwangsläufig schon Erfahrungen im Schulneubau vorweisen. Wenn aber solche Erfahrungen zwangsläufig vorausgesetzt werden, wie soll dann ein neues Büro die Chance haben, teilzunehmen? Ein Teufelskreis, wie Köppler unter reger Zustimmung der Teilnehmer feststellte.

Zweitens würden, wie in der nachfolgenden Podiumsdiskussion diskutiert, viele Stadtplanungsämter bzw. Investoren  manche Büros, mit denen sie bereits zusammengearbeitet haben oder mit denen die Mitarbeiter durch Vereine, Seilschaften etc. „verbunden“ sind, in Wettbewerben immer wieder schon fest einsetzen, ohne deren Qualifikation zu prüfen oder für einen Wechsel zu sorgen. Bestimmte Büros werden also klar bevorzugt.

Dieses Vorgehen würde nicht nur dazu führen, dass die Qualität zwangsläufig sinke, weil sich diese Büros logischerweise nicht mehr so stark um Qualität bemühen müssen. Nein, dieses Vorgehen sei außerdem noch, so Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, illegal und die Architekten hätten das Recht, ja die Pflicht, notfalls vor der Vergabekammer dagegen zu klagen. Eine praktikable Lösung, die z.B. in Niedersachsen oft Gebrauch fände, sei, dass die Teilnahme von Büros an Wettbewerben per Losverfahren entschieden werde, unter notarieller Begleitung, um Rechtssicherheit zu gewährleisten.

Da viele Architekten aber im Falle einer Klage sicher sein könnten, nie wieder an öffentlichen Wettbewerben teilnehmen zu dürfen und quasi von den Kommunen „geächtet“ zu werden, ergibt sich hier ein weiterer Teufelskreis.

Die Zusammensetzung einer Wettbewerbsjury hingegen unterliege keinerlei rechtlichen Reglementierungen und sei Sache des Bauherren, wobei die große Macht von Preisrichtern ebenfalls als Problem benannt wurde, wenn diese ihren bevorzugten Architekturstil durchsetzen wollen und nicht sachlich und fair bewerten würden.

Doch die einzige Alternative zum bisherigen wettbewerblichen Vorgehen sei es, gar keinen Wettbewerb durchzuführen  und das sei mit Sicherheit die schlechteste Alternative, so Ettinger-Brinckmann.

Früher sei diesbezüglich auch keineswegs alles besser gewesen, so Ettinger-Brinckmann auf unsere Nachfrage weiter: Vor 1992, also der europarechtlichen Verpflichtung bei der Vergabe von ‚Dienstleistungen‘ (zu denen Leistungen von Architekten gehören) u.a. das Diskriminierungsverbot zu beachten,  war es Gepflogenheit, die Architekten direkt zu beauftragen oder im Falle einer Ausschreibung einen Einladungswettbewerb durchzuführen, bei dem man ebenfalls die Teilnehmer direkt benannt hat. Heute dagegen muss der  öffentliche Bauherr ausschreiben.

Was also kann man auf der Ebene der Wettbewerbsfairness tun? Um an der aktuellen Problematik etwas zu ändern und wieder für mehr Transparenz und Fairness in Wettbewerben zu sorgen, seien engagierte Architekten gefordert, die in die Politik gehen, um dort Druck zu machen, an den Verhältnissen etwas zu verändern, forderte u.a. Jörn Köppler.

Liegt hier vielleicht eine Option, in welche Richtung auch unser Verein sein Engagement ausdehnen könnte?

Fazit: Es herrscht viel Handlungsbedarf und manches Defizit aktuellen Bauens, das unsere Vereinsmitglieder zum ehrenamtlichen Engagement motiviert, sieht die etablierte Architektenschaft genauso. Nur durch faire, offene Wettbewerbe können junge Architekten stärker eine Chance bekommen und nur dadurch kann es zu mehr Vielfalt und vielleicht auch wieder mehr Regionaltypik in der modernen Architektur kommen.

Von Manuel Reiprich

Symposium Max Bächer 16.1.2019, Kaffeepause
Kaffeepause des Symposiums im Foyer des Fachbereichs Architektur der TU-Darmstadt, in dem zeitgleich eine Ausstellung zu den Werken Max Bächers eröffnet wurde.

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