Dresden - Ferdinandplatz

Der Ferdinandplatz in Dresden ist seit über 70 Jahren eine unbebaute Brachfläche. Dresdens Altstadt hätte hier das Potential, sich qualitativ hochwertig zu erweitern. Leider sind die leitenden Planer im Dresdner Stadtplanungsamt der Ansicht, Dresden solle sich lieber der radikalen „Moderne“ öffnen, womit sie im Klartext meinen: Weg mit allem Fassadenschmuck und weg mit Kleinteiligkeit! Leider gehört der Ferdinandplatz auch nicht mehr zum Satzungsgebiet der Neumarkt-Gesellschaft (GHND), die sich am Dresdner Neumarkt so wunderbar engagiert für Rekonstruktionen einsetzt. Daher versuchen wir, hier für den Ferdinandplatz eine Lanze zu brechen und gegenüber den Stadträten Überzeugungsarbeit zu leisten.

Der Text ist deshalb auch für Nichtdresdner interessant, weil er Grundforderungen des „New Urbanism“ enthält, einer internationalen Bewegung für lebenswerteren Städtebau. Deren Prinzipien haben aus unserer Sicht Vorbildfunktion und sind eine Art Gegenprogramm zur modernistischen „Charta von Athen“, die stark zur Verödung der Innenstädte beitrug.

Vorschlag Neubebauung Ferdinandplatz Dresden

Die Visualisierung von Stadtbild Deutschland zum Ferdinandplatz, wie er bebaut werden könnte. Eine Mischung aus „historisierenden“ Fassaden und modern angepasster Kleinteiligkeit wäre in Dresdens modernistisch geprägtem Stadtplanungsamt gerade noch komprmossfähig und würde trotzdem ein lebendiges Stadtviertel entstehen lassen.
Vorschlag des Vereins „Stadtbild Deutschland e.V.“ für eine Neubebauung des
Ferdinandplatzes in Dresden.

Die Stadt Dresden hat sich in der Vergangenheit mehrfach darum bemüht, das Grundstück am südlichen Waisenhausring/ Ecke St. Petersburger Straße, den Ferdinandplatz, an einen Investor zu verkaufen. In der Presse war dieser Tage zu lesen, dass die Stadt Dresden nun am westlichen Ende des Grundstücks, neben dem Karstadt-Kaufhaus, einen Erweiterungsbau für ihr Rathaus plane. Die Begründung: Es hätten sich bisher keine privaten Investoren für das Gelände gefunden. Dies ist aus unserer Sicht verwunderlich, da sich Investoren um Grundstücke im Zentrum Dresdens doch eigentlich immer sehr bemühen. Vielleicht wäre der eine oder andere Neumarkt-Investor nach wie vor bereit, auch den Ferdinandplatz mit neuem Leben zu füllen? Oder hat die Stadt das Gelände etwa nur an einen einzigen Investor veräußern wollen? Das könnte erklären, wieso sich kein Käufer für das riesige Grundstück fand.

Die bisherigen Planungen der Stadt für eine Neubebauung sehen, soweit unser Verein Einblick nehmen konnte, leider ebenfalls eine sehr großflächige Bebauung in Blockweise vor, wie sie bereits bei der Altmarkt-Galerie und beim „Advanta-Riegel“ betrieben wurde und immer wieder von Architekten und Bürgern kritisiert wird. Solche überdimensionierten Gebäude mit ihrem sehr monotonen Aussehen sind zwar praktisch an Großinvestoren zu verkaufen, aber sie sind zu überdimensioniert und wirken durch ihre glatten, kalten Fassaden zu abweisend, um Passanten zum Verweilen einzuladen. Unser Verein befürchtet nun, dass am Ferdinandplatz derselbe Fehler wiederholt wird. Zu groß, zu monoton – das gilt es am Ferdinandplatz zu verhindern! Er ist eine der letzten großen Freiflächen der Innenstadt und seit 1945 unbebaut geblieben. Es sollte mit größtmöglicher städtebaulicher Sorgfalt neu bebaut werden.

Daher möchten wir im Folgenden eine alternative Bebauung vorschlagen und haben dazu auch eine erste Entwurfsskizze erstellt. So könnte ein neuer Ferdinandplatz aussehen: Wir schlagen eine kleinteiligere Bebauung mit Wohngebäuden vor, jeweils kombiniert mit Einzelhandelsmöglichkeiten im Erdgeschoss, ähnlich innerstädtisch-kleinteilig und geschlossen wie am Neumarkt, aber anders als an diesem komplett ohne Rekonstruktionen. Die Ferdinandstraße wird, von Süden kommend, zur Schulgasse weitergeführt. Aus Richtung St. Petersburger wird eine neue Straße nach Nordwesten geführt und trifft sich mit der Ferdinandstraße in
der Mitte. Dort könnte ein neuer kleiner Platz mit ein, zwei Cafes oder Restaurants als Anziehungspunkt dienen und dann wieder den offiziellen Namen „Ferdinandplatz“ bekommen.

Im Moment ist ja das, was den Namen „Ferdinandplatz“ trägt, kein Platz im eigentlichen Sinne, sondern eine riesige Parkfläche. Wohin aber mit den Parkplätzen? Am westlichen Ende, neben dem Karstadt, kann ein Parkhaus oder auch eine Tiefgarage den Verlust an Parkfläche in der Innenstadt auffangen (siehe Abbildung), direkt östlich daneben wäre dann Platz für den geplanten Rathaus-Erweiterungsbau, der sich stilistisch am Neuen Rathaus anlehnen könnte, z.B. durch Arkaden im Erdgeschoss.
Bei der Planung des verbliebenen Geländes haben wir uns von folgenden Prinzipien leiten lassen:

  • kleinteiligere Bebauung, keine großen Blöcke, das bewirkt unterschiedliche Fassadengestaltungen, damit mehr Abwechslung und macht das Viertel attraktiver
  • Mischung aus Wohnen und Einzelhandel, um Passanten von der Prager Straße in dieses neue Viertel zu locken
  • weitgehender Verzicht auf Flachdächer, stattdessen Schrägdächer (welche zugleich auch ökologischer sind), dadurch entstehen interessantere Dachlandschaften
  • Betonung der Häuserecken, z.B. durch kleine Türme, dies ist eine sehr erprobte Methode, um Stadtviertel lebendiger zu gestalten
  • an der Ecke Waisenhausstraße/St. Petersburger soll ein einzelnes Gebäude mit dreiachsigem Mittelvorsprung und geschwungenem Dachgiebel an die Vorkriegsbebauung Dresdens erinnern. Wir haben uns dabei das 1945 zerstörte Jugendstilgebäude „Dianabad“ (ehemals Bürgerwiese 22) zum Vorbild genommen. Wenn man an einigen Punkten der Altstadt mit neuen Gebäuden an das Verlorene erinnert, kann man ebenfalls Beliebigkeit vorbeugen und den lokalen Dresdner Architekturstil, den es hier einst gab, weiterentwickeln.

Wir sind überzeugt davon, dass dieses vorgelegte Konzept langfristig ein lebenswertes Stadtviertel entstehen ließe, welches eine Bereicherung für Dresdens Altstadt darstellt.

Als gemeinnütziger Verein haben wir keine genauen Einblicke in die derzeitigen Planungen. Erfahrungsgemäß ist es aber für die Stadtverwaltung viel leichter, einen Großinvestor zu finden, der dann einfach ein riesiges Einzelgebäude „hinstellt“, statt mehrerer kleinerer Investoren. Aber solche riesigen „Kisten“ oder „Blöcke“ haben wie gesagt nichts mit lebenswerter Stadtentwicklung oder gar Stadtbaukunst zu tun, daher sollte man hier nichts „übers Knie brechen“. Es gibt Investoren, die auf diesem Gebiet bauen würden, wenn das richtige Konzept dahintersteht und unser Verein hat bereits erste Kontakte dazu geknüpft. In der Vergangenheit hat sich leider mehrmals gezeigt, dass in den städtebaulichen Entscheidungen des Dresdner Stadtrates Fraktionsdenken über Sachargumente gestellt werden, oft eher zum Schaden für die Stadt und für ihren städtebaulichen Ruf über Dresden hinaus.

Daher bitten wir mit diesem Entwurf zugleich die unterschiedlichen Fraktionen und Stadträte, in Dialog zu treten! Wir bitten zugleich engagierte Bürger sowie die GHND, sich in dieser Debatte ebenfalls zu positionieren, um eine für Dresdens Altstadt optimale Lösung für den Ferdinandplatz und seine Umgebung zu finden!

Mit freundlichen Grüßen

für den Verein „Stadtbild Deutschland e.V.“
Manuel Reiprich, Pressesprecher

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