Die Diskussion um die Dresdner Lingnerstadt sowie um den städtebaulichen Wettbewerb zur Neugestaltung des Königsufers hat unser Verein zum Anlass genommen, sich erneut diesbezüglich gegenüber den Stadträten zu positionieren und sie um eine Überarbeitung ihrer gegenwärtigen Standpunkte zu bitten!

Der Bebauungsplan Lingnerstadt befindet sich erneut in Offenlage und auch über den Wettbewerb für die Neugestaltung des Königsufers gibt es Diskussionen in der Öffentlichkeit.

In aller Kürze möchten wir Sie hiermit im Namen unseres Vereins bitten, folgende Ergänzungsvorschläge in die genannten Projekte einzubringen, um sie zu optimieren und städtebauliche Fehlgriffe, wie sie sich insbesondere bei der Lingnerstadt ankündigen, zu vermeiden.

B-Plan Lingnerstadt:

Die Entwürfe des Büros Kulka sind durch eine (kulkatypische) Schlichtheit und Kargheit geprägt, welche architektonisch keinen Sinn macht, da das neu entstehende Viertel dadurch zu wenig Attraktivität und Anziehungskraft auf die Dresden-Besucher ausstrahlen wird. Die Entwürfe beruhen weitgehend auf der persönlichen Vorliebe des Architekten Kulka, der offenbar mit solch minimalistischen Entwürfen einen Kontrapunkt gegen das „typische Dresdenbild“ setzen will. Er hat diesbezüglich in der Stadt bereits seine Spuren hinterlassen (Beispiel: Kulkas Wohnhaus in der Weisseritzstraße) und es darf bezweifelt werden, dass ein ganzes Stadtviertel, welches auf dieser spartanischen, bunkerähnlichen Bauweise beruht, auf die Zustimmung der Dresdner stoßen wird.

Solche reduzierten Entwürfe machen auch ökonomisch keinen Sinn, da die Fassadengestaltung im bundesdeutschen Durchschnitt nur ca. 1% der Baukosten eines Gebäudes ausmacht. Ein wenig mehr Details an der Fassade würden den Gesamteindruck des Viertels erheblich verbessern. Da Herr Kulka dazu aus eigenem Antrieb nicht bereit sein wird, bitten wir hiermit Sie als Politiker, den nötigen Rahmen vorzugeben, dass er diesbezüglich noch einmal ästhetisch nachbessern muss.

Dies wird aber nicht zu Lasten der Nutzbarkeit durch den Investor gehen, daher ist mit diesen Optimierungsvorschlägen kein Risiko verbunden, den Investor zu verprellen.

Folgende Formulierungen bitten wir Sie, in den B-Plan für die restliche Lingnerstadt mit aufzunehmen:

  1. Die Häuser sollten zur Straßenseite hin aus Sockelzone, Mittelteil und Dach bestehen, diese drei Teile müssen erkennbar voneinander zu unterscheiden sein
  2. Ein nach oben verjüngender Abschluss eines Gebäudes zur Straßenseite hin, wenn möglich mit einem Mansarddach, ist vorgeschrieben. = Damit soll gewährleistet werden, dass ein Gebäude „Gesicht“ hat und man es von einem schlichten „Quader“ unterscheiden kann
  3. Für die Gebäude müssen, zur Straßenseite hin, stehende, gegliederte Fenster verwendet werden. = Damit soll verhindert werden, dass zu große „Fensterlöcher“ entstehen, wodurch das Gebäude nichtssagend und monoton aussieht

Weiterhin bitten wir Sie, alles Mögliche für einen erfolgreichen Wiederaufbau des Palais Oppenheim an der Bürgerwiese zu unternehmen, damit dieses wichtige Symbol jüdisch-sächsischer Kultur wiedererstehen und einen Akzent für das Viertel setzen kann. Dafür ist das Grundstück des Palais gesondert auszuschreiben und aus der sonstigen Planung vorerst auszuklammern.

Die Beteiligung anderer Architekturbüros als das Büro Kulka, möglichst auch klassisch-traditionell entwerfende, ist für die Lingnerstadt verbindlich vom Investor zu fordern.

Wettbewerb Königsufer:

  1. Im Bereich des Bellevueparkplatz sollten Rekonstruktionen der Vorkriegsbebauung ermöglicht werden.
  2. Blockhaus und Finanzministerium sollten Rahmen und stilbildende Vorbilder des
    städtebaulichen Wettbewerbs sein.
  3. Für die Bebauung am Königsufer sollten feststehende Dachabschlüsse, stehende,
    gegliederte Fenster sowie eine Kleinteiligkeit angestrebt werden, um allzu monotone,
    klobige Wettbewerbsergebnisse zu verhindern.
  4. Auch beim Wettbewerb Königsufer sollten traditionell entwerfende Architekturbüros
    gleichberechtigt beteiligt werden.
  5. Die im Wettbewerb zum Königsufer beteiligten Bürger sollten ebenfalls
    gleichberechtigt mit abstimmen dürfen und ihre Meinung nicht bloß empfehlenden
    Charakter besitzen.

Ich möchte Sie im Namen unserer Vereinsmitglieder sowie zahlreicher befreundeter
Vereine bundesweit herzlich bitten, diese Veränderungen zu ermöglichen!

Mit freundlichen Grüßen
Manuel Reiprich, Pressesprecher Stadtbild Deutschland e.V.

Schreibe einen Kommentar