Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Thomas Geisel,
sehr geehrte Stadträte,

Stadtbild Deutschland e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich bundesweit und in Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen für harmonische, lebenswerte und attraktive Stadtbilder einsetzt.

Düsseldorf als Landeshauptstadt verfügt mit der Rheinuferpromenade über eine einzigartige Anbindung an den Rhein. Die bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebte Promenade ist allerdings mehrfach umgestaltet worden,
bedingt durch den Bau der Bundesstraße 1 und des späteren Rheinufertunnels.

Geprägt wurde die heutige Rheinuferpromenade durch den 1902 von Johannes Radke entworfenen Hochwasserschutz, die heutige Promenadenmauer mit noch erhaltener Pegeluhr.
An dieser Mauer standen ursprünglich reich verzierte Kandelaber, ein kleines Türmchen und das im Jugendstil / Historismus errichtete Düsselschlösschen.
Das Düsselschlösschen wurde im Krieg nur leicht beschädigt, jedoch in den fünfziger Jahren zugunsten der Rheinuferstraße abgerissen. Dies geschah auf Veranlassung des damaligen Baudezernenten Friedrich Tamms und ehemaliger Mitglieder der
Organisation Todt.

Nun hat vor einigen Tagen Ulrich Wensel, Vorsitzender der JU Düsseldorf, den Vorschlag unterbreitet, das Düsselschlösschen wiederaufzubauen. An der neuen Initiative zum Wiederaufbau sieht man, dass das Schlösschen, trotz der langen Zeit, die seitdem verging, bis heute unvergessen ist.

Der damalige Abriss wird heute sehr kritisch gesehen, denn die autogerechte Stadt ist längst kein Leitmotiv für den Städtebau mehr. Die Rheinuferstraße ist unter die Erde, in den heutigen Rheinufertunnel, verlegt worden.

Nachdem die Rheinpromenade modern überplant wurde, hat man es versäumt, den historischen Teil denkmalgerecht zu sanieren und wiederherzustellen. Die als großes Ganzes von Johannes Radke errichte Rheinuferpromenade ist heute nur noch Flickwerk. Es fehlen u.a. Teile der Pegeluhr, die Kandelaber auf der Mauer, die einst ein beliebtes Fotomotiv darstellten, sowie als krönender Abschluss das Düsselschlösschen.

Weite Teile von Düsseldorf sind heute geprägt durch Nachkriegsbebauung und die sogenannte moderne Bauweise. Geschichte muss jedoch erlebbar und erfahrbar sein; es gibt nicht mehr viele Beispiele gelungener Jugendstilgebäude in der Düsseldorfer Innenstadt, erst recht nicht ein so verspieltes und repräsentatives Gebäude wie das Düsselschlösschen.

Stadtbild Deutschland e.V. möchte an dieser Stelle anregen, die heutige Rheinuferpromenade denkmalgerecht zu sanieren und wiederherzustellen. Der historische Teil kann den modernen wunderbar ergänzen. Das Düsselschlösschen würde nicht nur ein beliebtes Fotomotiv und stadtbildprägendes Gebäude werden, es könnte auch vielfältig genutzt werden, beispielsweise als repräsentativer anmietbarer Aufenthaltsraum, Weinlokal oder als Informationsstelle.

Bundesweit gibt es viele, auch weitaus größere Beispiele gelungener Rekonstruktionen, die auch von breiten Bevölkerungsschichten getragen und finanziell unterstützt werden.
Das Hildesheimer Knochenhaueramtshaus, der Dresdner Neumarkt und aktuell das Frankfurter Dom-Römer-Projekt zeigen, wie positiv punktuelle Rekonstruktionen von der Bevölkerung aufgenommen werden. Viele Architekten lehnen Rekonstruktionen leider immer noch ab, Initiativen dazu kamen und kommen meist aus der Bevölkerung.

Nun möchten wir Sie bitten, diese Initiative zu unterstützen. Warum sollte eine solche Wiederherstellung nicht auch in Düsseldorf ein grofler Erfolg werden?

Mit freundlichen Grüßen
Marco Freudenberg, Vereinsmitglied
Manuel Reiprich, Bundespressesprecher

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